Interview mit Wolfgang Heyder zum Basketballstützpunkt Roth

Interview mit Wolfgang Heyder
(Geschäftsführer der Brose Baskets Bamberg) 

Portrait Wolfgang Heyder

Die Brose Baskets Bamberg engagieren sich mit Schwerpunkt Oberfranken sehr stark im Schulbereich. Was ist für einen Profi-Verein der Sinn so etwas zu tun? Ist das lediglich eine aufwändige Form der Imagepflege?
W.H.: Aus meiner Sicht gibt es drei entscheidende Ziel. Imagepflege ist dabei kein Ziel sondern bestenfalls ein Nebenprodukt. Zum Einen geht es bedingt durch den demographischen Wandel darum, im Leistungssport grundsätzlich darum, Talente frühzeitig zu entdecken und optimal zu fördern. Dabei stehen wir in heftigem Wettbewerb mit anderen Sportarten. Deshalb ist es für uns ein ganz wichtiger Punkt hier früh anzusetzen. Als Zweites geht es darum, Basketball aus der Sparte raus zu bringen. Wir sind als Sportart nach wie vor sehr, sehr eng aufgestellt und unser Ziel muss es sein, das Ganze breiter anzulegen, um gerade in der heutigen Mediengesellschaft erfolgreich zu sein. Der dritte Punkt hängt mit dem zweiten eng zusammen, aber ist eher regional zu sehen. Es geht natürlich auch um eine Marketingplattform, mit der wir viele Kinder und Jugendliche für Basketball als Sportart begeistern, die dann nicht nur Breiten- oder Leistungssport betreiben, sondern auch als Zuschauer oder in anderen Bereichen den Sport unterstützen. Insofern machen wir das natürlich auch, um regional die nötige Breite zu bekommen und die Hall zu füllen.

Du hast Dir vor Kurzen persönlich einen Eindruck vom Basketball-Stützpunkt Roth machen können. Konntest Du neue Impulse und Ideen mitnehmen oder geben?
W.H.: Ich finde es toll, was in Roth in den letzten drei, vier Jahren entstanden ist. Dort wurden ausgehend von relativ niedrigen Standards Strukturen geschaffen, die neben Breitensport auch leistungsorientierten Basketball voranbringen. Das finde insbesondere eine tolle Geschichte in einer Region, die keine große eigene Basketballtradition hat. Der zweite Punkt ist mir ein großes Anliegen und wir wollen das auch intensiv vorantreiben, weil es in dieser Form in Deutschland nicht all zu oft vorkommt, dass Basketball im Regelsportunterreicht eine herausragende Rolle spielt. Das ist ein Thema, das wir jetzt auch in der Fläche vorantreiben wollen und ich hoffe, dass wir da er einen vorankommen.

Was unterscheidet ein ehrenamtlich organisiertes Konzept, wie in Roth vom professionellen Ansatz eines Proficlubs.
W.H.: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Grundsätzlich ist es wohl immer so, dass man auf das Ehrenamt zurückgreifen muss. Gerade im Kooperationsbereich von Franken First arbeiten wir mit zahlreichen Vereinen zusammen, die auf ehrenamtliche Tätigkeit angewiesen sind. Ich bin überzeugt, dass man auch in Zukunft diesen ehrenamtlichen Ansatz haben muss. Um dieses Engagement zu fördern, fände ich es sinnvoll, die Ehrenamtspauschale von 700 € auf 2.500 € pro Jahr zu erhöhen, damit wir allen, die sich in diesem Bereich engagieren, eine angemessene Aufwandsentschädigung zukommen lassen oder ihnen zumindest die Fahrtkosten erstatten können. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir Vereinen, die ehrenamtlich arbeiten eine gewissen Input zukommen lassen müssen, um einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Den wesentlichen Unterschied zum Profiverein sehe ich darin, dass Leistungssport auf Dauer nicht nur mit ehrenamtlichen Strukturen gefördert werden kann. Das gilt für die Trainer genauso wie für den Organisationsbereich. Insofern kommt man an dieser Stelle um eine Hauptamtlichkeit nicht herum.

Es ist sicher für einen ehrenamtlichen Verein, wie die SpVgg Roth eine große Unterstützung in der Öffentlichkeitsarbeit die Marke Brose Baskets Bamberg im Hintergrund zu haben und auch die professionellen Strukturen eines Proficlubs nutzen zu können. Roth ist jetzt seit mehreren Jahren Jugendstützpunkt der Brose Baskets Bamberg. Bitte erläutere an diesem Beispiel, welche Unterstützung ein Proficlub konkret leisten kann.
W.H.: Für mich liegt der Schwerpunkt neben den basketballerischen Inhalten in den Bereichen Know-How-Transfer und Strukturentwicklung. Dort können wir sicher wertvollen Input geben. Neu ist in diesem Jahr, dass wir einen FSJ-ler mitfinanzieren, der mit der Betreuung der U14-Bayernliga auch als Trainer im Leitungssport eingesetzt werden kann. Das ist ein Thema, das wir zukünftig auch noch ausbauen wollen, weil ich da viel Potential sehe, sowohl für die Entwicklung von jungen, talentierten Trainern, die sich an diesem Standort entwickeln und perspektivisch auch für uns interessant werden können. Das ist für mich ein wichtiger Punkt. Ich glaube wir kommen nicht umhin, die Breite des Basketballs durch die Unterstützung bei der Entwicklung professioneller Strukturen in der Fläche zu entwickeln. Das geht nicht nur durch Know-how-Transfer und Handauflegen, indem wir zweimal im Jahr dort aufschlagen, sondern das geht nur durch Kontinuität. Deshalb halte ich das schon, was diese Inhaltsebene betrifft, für die Entwicklung von Leistungssportstrukturen für extrem wichtig.

Die von Bamberg gestellte Trainer-Ressource, die sowohl die U14-Bayernliga bei uns trainiert, als auch in der breite als Stützpunkttrainer an den Schulen arbeitet hat das Projekt für uns massiv aufgewertet, auch in der Außenwahrnehmung.
H.W.: Ich denke, dass beide Seiten davon profitieren. Das ist ein Bereich, den wir weiter ausbauen wollen. Für uns ist es eine Chance, junge Trainer mit Perspektive an uns zu binden und sie teilweise an Stützpunkten einzusetzen. Wir kommen so in die Situation Trainer zu entwickeln, die wir heute nicht sinnvoll direkt bei uns einsetzen können. Wenn wir in diesem Bereich faire Mischfinanzierungen finden, dann ist das auf Dauer extrem hilfreich für beide Seiten. Der Verein entwickelt sich durch die Entwicklung professionellerer Strukturen und können dem Basketball etwas weitergeben.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön für die großzügige Unterstützung und die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Die Brose Baskets Bamberg arbeiten mit der SpVgg Roth nicht nur direkt zusammen, sondern auch im Projekt „Junior Franken“. Welche Ziele verfolgt dieses Projekt ?
W.H.: Am Ende decken sich die Ziele, die ich gerade schon angesprochen habe. Es geht um die Förderung von Basketball in der Breite um diese Sportart in der Fläche zu platzieren. Michael Stoschek will als Geldgeber damit den Basketball in ganz Franken mit den Schwerpunkten, Würzburg, Bamberg, Bayreuth und Nürnberg voranbringen. Das ist sehr hilfreich in dieser Richtung. Insgesamt geht es auch hier darum, Basketball in der Breite zu fördern, insbesondere um jüngeren Bereich der Teams von U8 bis U12. Ziel ist es, schon in diesem Alter viel mehr Mannschaften in den Spielbetrieb zu bringen. Dafür braucht es langfristige strukturelle Unterstützung und keine kurzfristigen Strohfeuer. Insofern ist Roth zusammen mit ein paar anderen Standorten extrem positiv , weil dort durch die Anschubunterstützung auch wirklich Struktur entsteht.

Was sind Deine Wünsche und Anregungen für den Stützpunk Roth?
W.H.: Es ist zwar nicht einfach, aber es würde uns sehr gut gefallen, wenn sich aus dem Jugendkonzept wieder eine stabile Herren-Mannschaft im mittleren Leistungsbereich entwickeln würde. Auf dem Weg dorthin, wäre ein nächster Schritt eine JBBL, die sicher in Bayern gut mitspielen könnte. Wir wollen im Rahmen einer langfristigen Kooperation dort talentierte Spieler ausbilden und entwickeln, mit dem Ziel sie möglichst lange am Standort Roth zu halten und dort in Zusammenarbeit mit anderen Vereinen einen leitungsorientierten Regionalstützpunkt bilden, damit in Mittelfranken perspektivisch auch zwei JBBL-Mannschaften gebildet werden können. Je besser wir die Spieler hier ausbilden, desto mehr Potential haben wir dann auch in der Leistungsspitze. Damit schließt sich für uns der Kreis wieder.

Wir danken für dieses Gespräch.
(Das Interview führte Andreas Dobler)

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