Interview mit Florian Gut von der Beko-BBL zum Stützpunkt Roth

FG

1. Die Beko Basketball Bundesliga unterstützt den Basketballstützpunkt Roth im Rahmen der kinder plus Sport Basketball Academy. Was ist die Motivation einer Profiliga, sich an Schulen zu organisieren und wie ist die Aufgabenteilung zwischen den Profiklubs und der Liga?
F.G.: Wir sind davon überzeugt, dass es wertvoll für Kinder und Jugendliche ist, Sport zu treiben. Wir lieben Basketball und vermitteln deshalb gerne die Freude an diesem tollen Mannschaftssport. Das ist ein großer Ansporn. Besonders wichtig ist für uns als Profiliga, dass wir durch eine breite Nachwuchsarbeit den Talentpool vergrößern, aus dem Spieler für den Profibereich und die Nationalmannschaft entwickelt werden können. Flächendeckendes Engagement um Kindern die Freude an Sport vermitteln und zielgerichtete Förderung von einzelnen Talenten in die Leistungsspitze sind für uns zwei miteinander verbundene Zielsetzungen.
Die kinder+Sport Basketball Academy ist ein wichtiger Bestandteil der Nachwuchsarbeit der Beko BBL. Der innovative Ansatz der Academy ist eine tolle Motivation für Kinder und Jugendliche Sport zu treiben.
Die Verantwortlichen der Klubs arbeiten Tag für Tag in der eigenen Region in der Nachwuchsarbeit. Die Liga unterstützt die Klubs mit vereinsübergreifenden Projekten und organisiert den Wissensaustausch zwischen den Verantwortlichen.

2. Du hast Dir einen persönlichen Eindruck vom neuen Basketball-Stützpunkt in Roth bilden können. Konntest du neue Ideen und Impulse mitnehmen oder geben?
F.G.: Ich verfolge die Aktivitäten in Roth seit einigen Jahren und versuche immer in einem stetigen Austausch mit Andreas Dobler zu stehen. Die bisherige Entwicklung sehe ich äußerst positiv, die einzelnen Schritte sind sehr zielführend und nachhaltig aufgebaut. Dabei konnte ich bereits einige Impulse mitnehmen, die zwischenzeitlich auch in die Arbeit von anderen Vereinen eingeflossen sind. Bei meinem letzten Besuch Anfang November haben mich besonders die Schritte hin zu einer Synergie von Schulsport und Vereinstraining in der fünften und sechsten Klasse des Gymnasiums gefreut. Das hat großartige Auswirkungen für Schule und Verein und am meisten davon profitieren die Kinder sowie natürlich auch deren Eltern. Als Impuls von meiner Seite habe ich angeregt eigene Klassenmannschaften zu bilden, die am organisierten Verbandsspielbetrieb teilnehmen. Schließlich ist für Kinder der spielerische Wettkampf ein ganz wichtiger Motor und führt zudem zu einer besonderen Stärkung der Klassengemeinschaft.

3. Du hast als Mitarbeiter der Abteilung Sport der Beko BBL einen guten Überblick über die Konzepte der einzelnen Erstliga-Klubs im Jugendbereich. Naturgemäß unterscheiden sich diese Ansätze. Bitte beschreibe die Bandbreite der Aktivitäten im Schul- und Breitensportbereich. Gibt es Programme, die besonders gut funktionieren?
F.G.: Dank der Zusammenarbeit der Nachwuchsverantwortlichen der Klubs in unseren Arbeitsgruppen entsteht ein wachsendes gemeinsames Verständnis. Bei den Schulaktivitäten der 18 Klubs ist ein zentraler Kern erkennbar, der die Basis bildet für die verschieden ausgeprägten Programme. Das ist die Zusammenarbeit von Vereinstrainern und Sportlehrern auf einer strukturierten und regelmäßigen Basis im Rahmen des Schulsports, besonders durch AGs des Vereins an Grundschulen. Das ist für mich weiterhin der Schlüssel für eine nachhaltige und vertrauensvolle Zusammenarbeit von der beide Seiten profitieren. Einige Standorte bauen darauf bereits sehr zielgerichtet auf. Idealtypisch ist sicherlich der Ansatz von ALBA Berlin, der natürlich auch von gewissen Besonderheiten des Schulsystems des Stadtstaats, wie beispielsweise der sechsstufigen Grundschule, profitiert. Dort arbeiten an einzelnen Schulen die Sportlehrer und der Vereinstrainer sehr eng zusammen, so dass die Schulmannschaften auch als ALBA-Minimannschaften in der richtigen Liga mitspielen können. Dieses Modell wurde inzwischen auch sehr erfolgreich von den Verantwortlichen in Tübingen übernommen. Vorbildcharakter hat sicherlich auch das Grundschulprogramm der Brose Baskets, die neben den ganzjährigen AGs hervorragende Erlebnisse für die Kinder schaffen. Die Grundschultage im ersten Halbjahr sind wahre Sportfeste und die Abschlussturniere stellen eine große Motivation für die AG Gruppen am Ende des Schuljahres dar. Entscheidender Erfolgsfaktor beim Bamberger Modell ist natürlich die sinnvolle Verbindung der einzelnen Elemente.

4. Die SpVgg Roth ist als Jugendstützpunkt der Brose Baskets Bamberg auch mit dem Profisport und der Basketball Bundesliga gut vernetzt. Welchen Stellenwert hat die Vernetzung der Profiklubs mit kleineren Vereinen im Umfeld. Gibt es in diesem Bereich Liga-Auflagen?
F.G.: Das ist ganz wichtig. Vordenker ist in diesem Thema sicher Wolfgang Heyder, der für mich wie kein Zweiter, die Bedeutung von regionaler Zusammenarbeit verstanden und gewinnbringend für den eigenen Standort sowie den deutschen Basketball entwickelt hat. Der von ihm geprägte Community-Gedanke sollte aus meiner Sicht der grundlegende Ausgangspunkt für alle Standorte sein.
Die Liga-Auflagen schaffen die grundlegenden Bedingungen, damit die Profiklubs in der Lage sind diese Rolle in der Zusammenarbeit mit dem regionalen Vereinswesen und Verbandsstrukturen zu übernehmen. Dazu gehört die Vollzeitanstellung von zwei hauptamtlichen Jugendtrainern, die Pflichtteilnahme am JBBL- und NBBL-Spielbetrieb, sowie die Durchführung eines Grundschulprogramms nach den oben genannten Kriterien und die Mitarbeit in den Arbeitsgruppen der Liga.
Klar ist, dass hier noch viel Arbeit für alle Beteiligten im deutschen Basketball liegt. Umso erfreulicher ist, dass mit dem Franken First Konzept ein in vielen Bereichen positives Vorbild existiert und mit Wolfgang Heyder, eine der anerkanntesten Basketball Persönlichkeiten dieses Verständnis vorlebt.

5. Hältst Du das Rother Konzept für auf andere Standorte übertragbar?
F.G.: Absolut! Natürlich steht alles mit dem Engagement eines Verantwortlichen im Verein und dessen Fähigkeiten weitere Mitstreiter zu gewinnen und nachhaltig zu begeistern. Zudem müssen die Profiklubs und Verbandsstrukturen ein innovatives Verständnis der eigenen Rolle ausprägen, sich als Wissensvermittler, als unterstützender Begleiter für die Vereine sehen. Diese beiden Faktoren sind für mich primär von Bedeutung. Roth ist ein hervorragendes Modell und die Erkenntnisse lassen sich auf jeden anderen Standort übertragen.

6. Was sind Deine Wünsche und Anregungen für den Basketball-Stützpunkt Roth?
F.G.: Erstens: Weiterhin viel Bereitschaft für neue Ideen und innovative Ansätze.
Zweitens: Weiterhin viel Augenmaß für die richtigen Entscheidungen in der Strukturarbeit.
Drittens: Weiterhin viel Gelassenheit und Zielstrebigkeit bei den Verantwortlichen.

Wir danken für dieses Gespräch
(Das Interview führte Andreas Dobler)

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